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Haftbericht (Teil 1)

Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Der Angeklagte wird wegen Betrug an Ehefrau, Freundin und besonderer Geilheit auf junge Frauen in schweren Fällen zu 10 Jahren verschärfter Besserungshaft verurteilt. Strafantritt ist morgen Do. 21.10.2004 um 10:00 in der Haftanstalt Gelsenkirchen, Schmiedestraße 11 Haus-C.

Angeklagter, und nun zur Ihnen: "Sie haben die einmalige Chance Ihre Strafe in der Vollzugsanstalt Gelsenkirchen zu verbüßen. Die Vollzugsanstalt ist nur für Gefangene mit Ihrem Täterprofil - mit einer Belegung von durchschnittlich 100 Gefangenen die kleinste Haftanstalt in der Bundesrepublik - und wird von einer sehr erfahrenen Direktorin geführt. Sie sind dort nicht mit den üblichen Kriminellen zusammengesperrt sondern werden durch die Direktorin streng, aber gerecht an eine Resozialisierung herangeführt. Die Verteidigung hat bereits Revision eingelegt, sodass Sie morgen selbständig anreisen können. Nutzen Sie den heutigen Tag mit Ihrem Anwalt die persönlichen Dinge vor Haftantritt zu regeln. Sollten Sie morgen nicht zum Haftantritt erscheinen, wird sofort eine Fahndung ausgelöst, die Revision ist verwirkt und Sie werden in eine der üblichen Anstalten Ihre 10 Jahre Haft verbüßen", das waren die letzten Worte des vorsitzenden Richters.

So sitze ich dann am nächsten morgen um 6:30 im Zug von Frankfurt nach Gelsenkirchen. Meine wenigen Habseligkeiten in einem Pappkarton verschnürt. Den Haftbefehl im versiegelten Umschlag in der Tasche, mit dem Gefühl die letzten Stunden in Freiheit zu verbringen, mit der Hoffnung durch Erfolg in der Revision bald wieder ein freier Mann zu sein. Gleichzeitig mit dem schrecklichen Gedanken in Haft zu kommen - eine Nacht Polizeigewahrsam, nach der Festnahme waren schon ein prägendes Erlebnis -. Macht die Unterbringung in einer besonderen Haftanstalt mit einer Direktorin die lange Zeit etwas erträglicher? So halte ich den versiegelten Umschlag mit dem Haftbefehl in der feuchten Hand. Aufschrift: HA Gelsenkirchen, Direktorin Baroness Mercedes persönlich.

Während der gesamten Fahrt kreisten die Gedanken, Zelle, offener Verschluß, Freigang oder doch die Hölle der Einzelhaft, was erwartet mich, mehrmals unterbrochen durch den Anblick attraktiver junger Frauen mit knackigem Po und wunderschönen Rundungen. Schlagartig fallen mir wieder meine Straftaten ein und die Gedanken an die Haft zügeln meine sonst ungebremsten Gefühle abrupt. Gelsenkirchen Hauptbahnhof, Umsteigen in den Bus zur Grenzstraße. Letztmalig der Anblick schöner Frauen und immer wieder die Gedanken im Kopf. Sollte dies das letzte mal für 10 Jahren sein?

Die letzten Meter Fußweg, noch einmal Begegnung mit einer sehr attraktive junge Frau in engen Jeans, sieht man mir an wo mein Weg hinführt, meine Gedanken sind unstrukturiert, dann wie in Trance, links ab in die Schmiedestraße, oder doch Flucht, die letzte Gelegenheit. Am Ende ein schlichter 3-stöckiger Backsteinkomplex, Hausnummer 11. Eine Haftanstalt ohne Mauern und ohne Gitter! Eingang Haus-C im Hof, gut ausgeschildert, sollte es der Richter doch gut mit mir gemeint haben? Besser als eine normale Haftanstalt?

Mit weichen Knien der Gang zur Tür im Hof, Haus-C. Die oberere Klingel "Baroness Mercedes"! Ich drücke den Knopf, nach wenigen Sekunden der Türsummer, ich drücke die Türe auf und stehe in einem schlichten düsterenVorraum. "Türe schliessen, stehen bleiben!", eine resolute weiblich Stimme hinter der nächsten schweren Tür, ist das die Direktorin?

Ich befinde mich in der Haftanstalt! Die Tür geht schlagartig auf. Vor mir steht, eindeutig und unverkennbar, die Direktor!. In schwarzer Dienstuniform mit Schirmmütze, "Ihre Papiere, der Haftbefehl!", wieder resolut, jeden Widerspruch im Keim erstickend. Mit zitternden Händen übergebe ich den versiegelten Umschlag und hole mein Personalausweis aus der Brieftasche. Die Direktorin prüft beide Papiere genau, nimmt mich dann unversehens am rechten Oberarm "mitkommen!" Führt mich wortlos einen dunklen Gang entlang rechts um eine Ecke dann links in ein sehr kleines Büro mit Schreibtisch, offenbar das Aufnahmebüro. "Stehen bleiben und warten!"

Nach einigen Minuten geht die Tür auf, Frau Direktorin kommt mit einer Akte herein, nimmt hinter dem Schreibtisch auf dem schwarzen Ledersessel platz. "Ich bin die Direktorin, ab sofort für Sie Gefangener nur noch Frau Zuchthausdirektorin". Ich zucke zusammen, Zuchthaus geht es mir durch den Kopf, die schlimmste Strafform, kann nicht sein? "Gefangener -jetzt noch energischer- Sie haben richtig verstanden Zuchthaus und Sie sind ab sofort nur noch Gefangener 2015 Haus-C Block-A Zelle-15, verstanden?" Die Antwort ist ab sofort nur noch "Jawohl Frau Zuchthausdirektorin", wie ist ihre korrekte Bezeichnung? Ich stammelte "Gefangener 2015 Haus-C Block-A Zelle-15",

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